Supervision – der Blick über den Tellerrand

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Im Dezember 2016 durfte ich auf einem Seminar selbst in den Genuss von Supervision kommen und möchte meine Erfahrungen auf den Hundebereich übertragen.

Supervision ist das Besprechen eines Falles aus unterschiedlichen Gesichtspunkten unter Anleitung. Ein erfahrener Kollege kann das anleiten oder eben jemand, der als Supervisor tätig ist.

Besonders dann, wenn

  • ein Fall besonders verzettelt scheint
  • man sich selbst im grauen Alltagstrott befindlich glaubt
  • man das Gefühl hat, zunehmend redundant nach Schema F zu arbeiten
  • die eigene Motivation bröckelt oder
  • neue Sichtweisen und Ideen gefragt sind

empfiehlt es sich, Fälle supervidieren zu lassen.

Es kann also auch der ganz normale Alltagsfall mit den entsprechenden Hürden („ich weiß nicht, wie ich Frau Meier dazu bekomme, endlich mehr Gespür für ein besseres Timing zu entwickeln…“) besprochen werden. Bei der Supervision geht es eher darum, wie man selbst mit diesen Anforderungen umgeht.

Was passiert da? Jemand, der einen Fall supervidieren lassen möchte, stellt die Situation mit eigenen Worten vor. Dabei schildert er auch, was genau das jeweilige Problem ist („es nervt mich“ oder „ich weiß nicht, wie ich es noch trainieren kann“). Hier wird sichtbar, dass bei Supervisionen auch ein hoher Anteil an Eigenreflexion gefragt ist. Supervision kann im Einzelsetting mit dem Supervisor oder auch im Gruppensetting erfolgen.

In Einzelsupervisionen kann der Supervisand sicherlich mehr auf sich selbst eingehen (Thema Vertraulichkeit), im Gruppensetting profitiert man von vielen unterschiedlichen Ansichten.

Einem systemischen Ansatz folgend hilft es auch, das Beziehungsgeflecht um Hundehalterin Frau Müller aufzuzeichnen. In den seltensten Fällen agiert ein Hundehalter alleine mit dem Hund, in der Lebenswirklichkeit spielen Partner, Kinder, Eltern, Nachbarn und Freunde wie auch andere Hundehalter eine nicht geringe Rolle.

Um nun ein Gefühl für das Agieren des Umfeldes zu bekommen, kann der Supervisor beispielhaft für Gatte, Nachbar oder Tochter der Halterin agieren. Dafür muss der Supervisor diese nicht kennen, es reicht, wenn möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen generiert werden.  Die systemische Sichtweise geht davon aus, dass Wirklichkeiten Konstrukte im Kopf sind und somit durch Denken verändert werden können. Das Wissen um das Umfeld kann dabei natürlich einfließen.

Das hilft dabei, den Fall etwas zu „entzerren“. Zudem nützt es dabei, die Beziehungsqualität zum Klienten etwas zu „entkrampfen“. Es können neue Sichtweisen und Arbeitshypothesen ausprobiert und durchdacht werden. Außerdem ist mir aufgefallen, dass dadurch wieder etwas für die Belange der Klienten sensibilisiert wird.

Neben diesen Hilfestellungen für aktuelle Fälle dient die Supervision auch der eigenen so genannten Psychohygiene. Als Trainer oder Berater hat man idealer Weise einen unvoreingenommenen Blick. Im Alltagsgeschäft passiert es dennoch, dass man Kategorisierungen vornimmt („Wieder so ein Fall von …“). In der Supervision kann man für sich erfahren, dass Umbewertungen vorgenommen werden können.

Insgesamt war es eine sehr spannende Erfahrung, ich kann jedem raten, das für sich in Anspruch zu nehmen. Adressen von Supervisoren gibt es im Internet, ich rate dazu, auf entsprechende fachliche Erfahrung und Qualifikation zu achten.

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