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Das Denken lenken

 

Wenn man mit jemandem ein Beratungsgespräch führt, kann durch die Art und Weise der Fragestellung schon sehr gesteuert werden. Durch Suggestivfragen geben wir unbewusst Inhalte vor, die durch schlichtes Ja oder Nein zu beantworten sind („Ihr Hund hat sicherlich schon einmal grundlos gebellt“ oder etwas unauffälliger „Hat ihr Hund schon einmal grundlos gebellt?“). Hiermit rücken wir die Überlegungen des Hundehalters in eine Richtung, die er vielleicht selbst nicht eingeschlagen hätte, nur weil man ein Problem zu erahnen glaubt.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass es dann auch genau das Problem wird. Zum „Confirmation bias“ gibt es einen sehr interessanten Artikel auf dem Blog Fluffology von Anna Pietschmann http://fluffology.de/ zu lesen. Suggestivfragen sollten vermieden werden, weil man damit eher seine innere Haltung bestätigt bekommt als wirklich herausfindet, was bei dem Ratsuchenden das eigentliche Problem ist. Das klingt auch leichter als gesagt, denn gerade bei Menschen, die wenig von sich aus erzählen, ist die Gefahr von Suggestivfragen groß. Oder dann, wenn bei dem Berater groß und leuchtend eine Lösung blinkt.

Mit etwas Übung kann man durch „W-Fragen“ (Wer, Wann, Wo, Wie, Was, Womit….) das Gespräch schon in die Richtung lenken, in die man es haben möchte. Die Kunst dabei ist, an die jeweilige Antwort wieder eine passende Frage anzuknüpfen. Das verlangt sehr viel Konzentration im Gespräch, in dem auch noch der Hund dabei ist. Neben dem Zuhören bei der Antwort formulieren wir nämlich schon die nächste Frage.

Ich möchte hier allerdings kurz auf eine Idee eingehen, die sich nur manchmal umsetzen lässt. Dafür sollte dann auch der entsprechende Hundehalter ausgesucht werden. Diese Frage kann man nicht jedem stellen, besonders dann nicht, wenn man einschätzt, seinen Kunden damit zu überfordern. Hat man aber Kunden, die Spaß am Nachdenken haben, die gedanklich flexibel sind und sich gut auf das Gespräch einlassen, kann die folgende Frage spannend sein:

Angenommen, sie würden ihr Problem verschlimmern wollen, was genau müssten sie tun?“

Diese Frage stößt gelegentlich bei Beratern auf Ablehnung. Da steht einer, der weiß eh schon nicht, wie es weitergehen soll und dann fragt man so einen Blödsinn. Als hätte der nicht genug Stress mit seinem Hund. Und hier kommt es, das bockige „Ja, aber….“

Denn die Frage hat folgenden Sinn: Der Ratsuchende soll damit überlegen, wie genau er selbst handeln müsste. Er bekommt ein Gefühl dafür, das Problem steuern zu können. Der Eigenanteil wird sichtbar, der Ratsuchende selbst ist der Handelnde, der ein unerwünschtes Verhalten zulässt, steuert, aufrechterhält. Indem er es verschlimmert (also nachdenkt, was er häufiger anwenden müsste) erkennt er seine Aktionen in einem hypothetischen Rahmen.

Die Fragestellung bezieht sich also nicht auf die Gegenwart („Was glauben sie, machen sie falsch?“) sondern auf eine Zukunft, die ja noch nicht da ist und lenkbar ist. Außerdem würde der Hundehalter ja nicht wollen, dass das Problem schlimmer wird, also hat das jetzt einen Spielcharakter. Losgelöst vom passiven Problemraum („aaargh, alles furchtbar“) bewegt der Hundehalter seine Gedanken in einen Lösungsraum, den er nicht zulassen muss.

Ein ähnliches Agieren ist in der Psychotherapie als paradoxe Intervention bekannt, die nur erfahrenden Therapeuten vorbehalten bleiben sollte. Wie schon in vorherigen Blogs geschrieben, ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und einzuschätzen, ob man die Reaktionen des Gegenüber auch abfangen kann und möchte.

„Denken lenken“ klingt nicht schön, das klingt nach Zwang. Zwang ist im Beratungskontext allerdings nicht zielführend. Zudem werden die Fragen ja in eine Richtung führen, die dem Ratsuchenden weiterhelfen.

Wer begrenzt Zeit zur Verfügung hat, um eine Problemstellung einzugrenzen, der sollte über Techniken verfügen, schnell und zielgenau zu agieren. Andernfalls könnten die Kunden das Gespräch als nette Unterhaltung empfinden. Dafür gibt es sicherlich auch Gelegenheiten (immer dann, wenn kein Auftrag erteilt wurde, also wenn man mal nett am Rand steht und die Stunde vorbei ist).

Auch wenn sich nicht jede Technik bei jedem Kunden anwenden lässt, so ist es doch gut, eine Auswahl davon zur Verfügung zu haben, um sie im entsprechenden Moment anwenden zu können. So, und nun viel Spaß beim Ausprobieren. 🙂

 

Foto von Marlen Bartsch

Warum schiebt meine Tante heimlich Sahnetorte in meinen Hund?

 

Wer kennt es nicht? Besuch mit Hund bei der Tante und während man den Raum verlässt, wandern Sahnetortenstücke unter den Tisch? Sie weiß, dass sie das nicht füttern soll, aber sie reicht mit freudig-erwartungsvollem Blick die klebrigen Stücke unter die Tischdecke. Sie füttert heimlich sogar dann, wenn wir explizit darum gebeten haben, es zu unterlassen.

Spaziergang mit anderen Hundehaltern, der Hund bettelt und – schwupp – wandert ein Stück Fleischwurst ins erwartungsvolle Tier. Auch wenn der Hund danach jedem Spaziergänger an der Jackentasche schnüffelt. Ach naja, man habe es doch einfach nur gut gemeint und sowieso reichlich Wurst dabei.

Als Hundehalter fühlen wir uns dann oft unverstanden. Nicht nur dass der Hund Allergien haben könnte und die Wurst oder Torte nicht gut verträgt. Zudem kann der Hund bei diesem Vorgehen leicht die Form einer Tonne annehmen kann. Es kommt schon die Frage auf, warum sich jemand so verhält. Was ist so toll daran, dem Hund Futter zu geben?

Aber greifen wir uns zuerst mal selbst an die eigene Nase. Wir waren mit dem Hund auf einer langen Wanderung. Erschöpft rubbeln wir ihm den nassen Sand aus dem Fell und freuen uns, wieder in der warmen Wohnung zu sein. Der Hund ist viel gerannt und ausgelastet, selig hechelt er und wirkt müde. Wir stellen ihm einen Napf mit seinem Lieblingsfutter hin, schauen zu wie er frisst und beobachten danach, wie er sich genüsslich in seinem Körbchen ausstreckt und wohlig seufzt. Wie fühlt man sich bei diesem Anblick als Hundehalter? Gut, oder? Man hat selbst alles getan, damit es ihm optimal gut geht. Im Winter dreht man die Heizung noch ein Stück auf, er soll es warm haben.

Wenn ich auf Arbeit meinen (nichthundehaltenden) Kollegen so etwas erzähle, können die das nicht immer ganz nachvollziehen. Was, es hat doch aber geregnet? Da warst du 3 Stunden freiwillig draußen? Wie, du gibst so viel Geld für Hundefutter aus? Reicht da nicht auch ein einfaches Hundefutter?

Die Frage, warum wir es uns so verhalten, ist schnell beantwortet. Wir fühlen uns selbst schlichtweg richtig gut dabei. Der Fachbegriff dazu ist „caregiving behaviour“ und bedeutet so etwas wie „Fürsorgeverhalten“. Dieses Fürsorgeverhalten kann selbst schon bei Kindern beobachtet werden. Wenn wir anderen etwas Gutes tun können, macht uns das selbst „glücklich“. Zumindest fühlen wir uns dabei wohl, es wird das Bindungshormon Oxytocin ausgestreut. Das entspannt uns, wirkt blutdrucksenkend und baut Vertrauen auf.

Zudem unterstellen wir Menschen Reaktionen im Hund, die wir bei uns selbst erleben würden. Wir glauben an Wohlbefinden, eine angenehme Mischung aus ausgelastet, satt und müde, wenn wir dem Hund alles bieten können, von dem wir glauben, dass es der Hund möchte.

Möglich macht das bei uns das Vorhandensein von Spiegelneuronen. Als hoch soziales Lebewesen verfügt der Mensch über Neuronen, die selbst dann feuern, wenn wir eine Handlung nur beobachten. Wenn wir also unserem Hund zusehen, wie er genüsslich mit halb geschlossenen Augen und in entspannter Körperhaltung auf seinem Rinderohr kaut, feuern in unserem Gehirn besagte Spiegelneuronen. Wir empfinden dann eine ähnliche Zufriedenheit.

Was wir dazu benötigen, ist Empathie. Wir müssen die Fähigkeit haben, uns in andere Lebewesen hineinzuversetzen. Das setzt voraus, uns selbst gut beobachten zu können („ich fühle mich wohl, wenn….“).  Außerdem müssen wir so viel Interesse an einem anderen Lebewesen haben, dass wir ähnliche Wohlbefindensmuster annehmen wollen.

Wenn wir nun also der Tante unterstellen, dass sie mit Absicht unseren Hund in ein „breiter als hoch“ – Format füttert, sollten wir bedenken, dass die sich so verhält, weil es ihr gut tut. Ihre Motivation ist dabei nicht, so viele Kalorien wie möglich in kurzer Zeit zu verabreichen, sondern bei sich selbst Wohlbefinden hervorzurufen. Das ist ihr sicherlich so nicht bewusst und das können wir von außen auch erst einmal nicht beobachten.

Die Tante glaubt schon daran, dem Hund mit der Torte etwas sehr gutes zu tun. Deshalb schenkt sie Kindern auch Schokolade und zuckersüße Lollis oder füttert im Park die Enten. Es ist ihre Vorstellung von „etwas Gutes tun“ und vielleicht hat sie in ihrer Kindheit Lebensmittelknappheit erfahren.

Aber ganz so egoistisch ist die Tante nicht. Wenden wir mal eine Technik an, die man „Reframing“ nennt. In einem Verhalten, welches wir selbst erst einmal als negativ bewerten, stecken auch immer positive Anteile. Uns ärgert, wenn die Tante heimlich Sahnetorte verabreicht. Sahnetorte zu füttern bedeutet aber auch, den Hund zu mögen, ihm eine Freude machen zu wollen, und Interesse daran zu haben, dass der Hund gern kommt.

Je nach Beschaffenheit der Tante kann man entweder aufklären, dass die mitgebrachten, mageren Fleischstücke viel besser geeignet sind und diese füttern lassen. Vielleicht kennt sie es aus schlechten Zeiten, dass das Füttern von Torte ein echter Höhepunkt war. In unserer durch Überfluss gekennzeichneten westlichen Welt ist das nicht mehr ganz passend. Klären wir sie doch einfach auf, dass der Hund sich über andere Sachen viel mehr freut und es besser für seine Gesundheit ist.

Wenn der Hund die Torte absolut nicht verträgt, könnte man sie darauf hinweisen, dass der Hund sich dann so fühlt, wie wenn sie ihre XYZ-Tabletten nicht eingenommen hat. Sie ist ja empathisch und kennt das Gefühl von Durchfall.

Ja und falls der Hund die Sahnetorte wegstecken kann und die Tante es nicht lässt, dann muss man selbst eben ertragen, die nächsten beiden Hundemahlzeiten ausfallen zu lassen.

(Vielen Dank an Marlen Bartsch für das Photo)

 

 

 

 

 

 

 

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Hundehaltung in sozialen Netzwerken

Liest man sich durch soziale Netzwerke wie Facebook oder Hundeforen, entsteht der Eindruck, der durchschnittliche deutsche Hundehalter mache eigentlich alles falsch.

Immer wieder tauchen in einschlägigen Gruppen Fragen auf, die deutlich erkennen lassen, dass die Fragende (häufig sind es auch Frauen) sich mit einer Thematik noch nicht tiefgründig genug beschäftigt hat. Oft werden diese Fragen auch eingeleitet mit den Worten „Ich bin Anfänger….“. Selbst bei dem Zusatz: „ich möchte aber keine Diskussion auslösen“ passiert häufig genau das.

Nehmen wir jetzt mal eine fiktive Hundeinteressentin namens Jana, die sich im Internet erstmals über Hunde informiert. Jana hat Humor und betrachtet die Themen nicht so todernst, wie sie oftmals diskutiert werden. Sie liest nun im Facebook zu Themen der Hundehaltung und es entsteht das folgende Bild:

Fütterung

Hundefütterung ist eines der grundlegendsten Themen in der Hundehaltung, eigentlich das wichtigste überhaupt, neben der Erziehung und Krankheiten. Hundefutter kauft man nicht im Zooladen, schon gar nicht im Discounter. Das geht wirklich gar nicht. Fragen zur Fütterung ufern meist wirklich richtig aus. Frisches Futter soll es sein. Am besten Tiere, die es vorher so richtig, richtig gut hatten. Wildtiere vom Jäger, auch wenn die eigentlich lieb durch den Wald laufen sollten. Fleisch vom Discounter enthält viel zu viele Zusatzstoffe. Das können Menschen essen, aber nicht Hunde. Die Frage, ob man da jetzt noch etwas zufügen muss trennt die Hundefrauenfacebooknation. Ja, sagen die einen, Obst und Gemüse und diverse Pulver. Aber nur nach Plan vom Ernährungsberater und abgewogen. Um Gottes willen, sagen die anderen, wir füttern prey. Also die netten Kaninchen vom Jäger. Die Frage nach einem Trockenfutter ist eigentlich nicht erlaubt, spätestens im zweiten Kommentar wird erwähnt, wie schädlich die Inhaltsstoffe im Futter sind. Jana schaut beim Einkaufen verstohlen auf den Herrn vor ihr, der auf das Kassenband Hundefutterdosen der Eigenmarke des Ladens legt. Vielleicht weiß er es nicht besser, vielleicht liest er nicht bei Facebook. Sein Hund wird sterben.

Tierarztbesuche

Samstagabend, Jana sitzt am Rechner und scrollt sich durch Facebook. Der Hund von Frau Y. hat einen komischen Pickel am Bauch. Eigentlich schon seit einer Woche, aber jetzt hat Frau Y. Freizeit und überlegt, was das eigentlich sein könnte. Bestimmt Krebs. Jedenfalls sollte der Hund zum Tierarzt. Schnellstens. Am besten gleich. Es ist schon erstaunlich, dass man da noch so ruhig vor dem Rechner sitzen kann, wenn der Hund so sehr leidet. Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Blutbilder im Laufe eines Jahres angefertigt werden müssen. Wie oft gehen die Hundehalter denn zum Tierarzt? Reicht einmal täglich? Wie bezahlt man das denn eigentlich alles? Die haben bestimmt alle einen richtig guten Job. Und einen tollen Arbeitgeber, bei dem man am Montag um 10.25 Uhr bei Facebook medizinische Hinweise geben kann. Oder hier sind bestimmt viele selbständige  Fachtierärzte mit umfangreicher Tagesfreizeit. Denn die User wissen viel, mehr als die Tierärzte da draußen. Jana wird zumindest klar, dass Hunde sehr oft krank werden können und sie eigentlich nebenbei Tierarzt sein sollte, um auch wirklich jede Krankheit gleich von Anfang an zu erkennen. Auf ihrer Liste steht gleich hinter „Jäger ausfindig machen“ der Posten: „Im Büro aufhören und Tiermedizin studieren“. Lebt der Hund von Frau Y. eigentlich noch? Sie schreibt gar nichts mehr?

Erziehung

War sich die Facebookfrauennation recht einig, dass medizinische Hilfe für den Hund am Wochenende in der Nacht die einzig mögliche Handlungsoption ist, trennen sich bei dem Thema Erziehung die Sichtweisen in alle erdenklichen Richtungen. Auf jeden Fall braucht man Fachwissen. Sehr viel Fachwissen. Man muss Abkürzungen lernen, die kein Abkürzungsverzeichnis der Welt kennt: „Hab meinen Hund aus dem TS. Gehe ich wegen der SDU mal lieber gleich zum TA oder kann da ein THP helfen?“  Die Wochenenden wird Jana wohl demnächst auf Seminaren zubringen müssen. Reicht es eigentlich aus, nur Tierarzt zu werden? Und woher soll sie denn wissen, ob in ihrer Hund-Mensch-Konstellation nun straffreie Erziehung sinnvoll ist? Oder doch lieber natürliche Führung durch den Menschen? Aber eine Rangordnung gibt es ja sowieso nicht. Halt doch, gibt es, sagt jemand anderes. Was sagen eigentlich die Hunde dazu? Wieso ist sich die Wissenschaft nicht einig, die sollten es doch wissen? Und warum kennen die hier sämtliche Studien zum Thema Hundeerziehung? Reicht da nicht auch ein Hundebuch? Eines scheint nicht zu reichen, denn es gibt gefühlt drei Millionen Erziehungsratgeber. Nicht alle scheinen ok zu sein, denn es wird schon nachgefragt, ob dieser oder jener Autor gruppenkonform ist. Erziehungsfragen im Facebook scheinen jedenfalls Lawinen von persönlichen Sichtweise auszulösen, am Ende des Threads steht auch gern mal ein warnendes „Thread geschlossen“. Nach einer Diskussion am Dienstagvormittag (auch Hundetrainer scheinen über viel Tagesfreizeit zu verfügen, und Hundetrainer sind die hier alle mit Sicherheit) sind einige der Namen grau unterlegt. Die haben die Gruppe verlassen. Die scheinen jetzt auch immer noch so ratlos zu sein, wie Jana.

Hundezubehör

Diese Gruppen scheinen freundlicher sein, jedenfalls scrollt man sich hier durch viele bunte Bildchen. Hundehalter zeigen gern ihre Kollektionen. Schließlich sind die auch oft selbst genäht. Das Zeug aus dem Laden scheint zumindest nicht für Hundefreunde gemacht. Das passt nicht, verrutscht, kneift und ist keinesfalls in der Lieblingsfarbe erhältlich. Überhaupt ist so ein Geschirr von der Stange für 20 Euro nichts, was man empfehlen kann. Da muss man schon tiefer in die Tasche greifen. Warum wurde überhaupt jemals das Halsband erfunden? Wie vielen Generationen von Hunden wurde tierschutzrelevant am Halsband die Schilddrüse zerquetscht? Haben deswegen so viele Hunde eine Schilddrüsenunterfunktion? Ach nein, eine SDU!  Die Näherinnen scheinen zumindest auch alle Tierärzte und Hundetrainer zu sein. Mit falschem Zubehör kann man schon richtig viel falsch machen. Auf Janas Liste kommt der Zusatz: „Oma aufklären, dass sie Flockis Halsband und den Tennisball entsorgt.“ Was Jana allerdings wundert: Einige der User hier kennt sie aus den Erziehungsgruppen. Wieso schreiben die hier und fragen nach Schleppleinen, weil der Hund nicht abrufbar ist? Sie wissen doch, wie man das trainiert, schließlich erklären sie es anderen?

Tierschutz

Jana ist immer noch optimistisch und möchte nach wie vor einen Hund. Nun hat sie sich gedacht, dass ein Mischlingshund aus dem Wurf der Tante eigentlich ideal für sie wäre. Tante Ursel hat nämlich gehört, dass jede Hündin einmal im Leben werfen sollte. (Das ist der Moment für Schnappatmung in der Hundefrauenfacebooknation, hier sind sich aber wieder alle einig). Ihre Dackeldame hatte ein Rendevouz mit Nachbars Lumpi und Jana darf sich einen Welpen aussuchen. Aber das geht gar nicht. Vermehrer darf man nicht unterstützen. Gut, die eine oder andere hat den Fehler selbst gemacht und ist im Grunde recht glücklich mit ihrem Vermehrerhund, aber Jana sollte das keinesfalls unterstützen. Niemals. Eigentlich darf man nur Hunde aus dem Tierschutz nehmen. Die können krank sein oder unerzogen, aber da kann man sich ja Hilfe holen. Bei Facebook zum Beispiel. Aus dem Ausland darf der Hund aber auch nicht sein, das ist pfui. Hund vom Züchter? Auch pfui.  Hund von der Tante? Richtig… pfui. Jana überlegt also, sich lieber mal bei einem Tierschutzverein umzuhören. Sie klickt eine Tierschutzgruppe an.

Hund alleine lassen

Frau X. aus der Tierschutzorga setzt sich für Tiere ein, weil sie von Menschen bisher nur bitter enttäuscht wurde. Hunde sind sowieso die besseren Menschen (aber trotzdem kein Fleisch aus dem Discounter!).  Hunde, die sie vermittelt, sollen es gut haben. Richtig, zum Tierarzt sollte man öfter gehen, so ein Hund braucht medizinische Versorgung und mit der Ernährung des Hundes hat sich Jana ja schon beschäftigt und kann mit Wissen glänzen. Das hört sich alles gut an. Was Jana beruflich mache? Na sie arbeitet in einem Büro. Nein, den Hund mitbringen darf sie nicht. Wo der Hund dann in der Zeit bleibt? Na zu Hause. Wie lange? Na schon ein paar Stunden. Arbeiten muss sie ja, um sich Futter, Tierarzt, Zubehör und Trainer zu leisten. Aber den Hund alleine lassen, das geht nun wirklich nicht. Jana überlegt, ob die Tierschützer alle geerbt haben? Oder alle einen reichen Mann haben? Alles Hausfrauen? Scheinbar, denn auch hier trudeln die Antworten rund um die Uhr ein. Für einen normal arbeitenden Menschen verbietet sich Hundehaltung jedenfalls. Wie will man denn da aller 4 Stunden für mindestens 3 Stunden rausgehen? Wie machen das denn eigentlich all die anderen?

In Deutschland leben etwa 5 Millionen Hunde, heißt es. Etwa 27 Millionen Menschen in Deutschland nutzten im Jahr 2015 Facebook. Nun wird es eine Schnittmenge von Menschen geben, die Hunde halten und Facebook nutzen, einige Hundehalter werden dies jedoch nicht tun. Immerhin haben im Jahr 2015 etwa 52 Millionen Menschen in Deutschland Zugang zum Internet. Etwas mehr als die Hälfte, aber immer noch nicht jeder. Daher wird es statistisch gesehen auch eine Gruppe von Menschen geben, die Hunde halten aber nicht im Internet lesen.

Und es gibt sie auch, die Hundehalter die nach Feierabend mit ihrem Unfallwurf-Hund am Halsband durch den Park laufen und in der Tasche einen Beutel Trockenfutter stecken haben. Das sind nämlich die Leute, die man außerhalb der Facebookwelt trifft. 😉