Wozu braucht man Wissenschaft in der Hundewelt?

 

Warum braucht man überhaupt wissenschaftliche Forschung, wenn jeder Hundehalter seinen Hund doch selbst beobachten kann? Was machen Hundeforscher anders? Haben die einen Traumjob, bei dem sie den ganzen Tag von Hunden umgeben sind? Welches spezielle Wissen benötigt man, um forschen zu können? Antworten auf diese Fragen soll dieser Artikel mit einem Einblick in die abstrakte Welt der Verhaltensforschung geben.

Hunde werden in der Forschung in unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Ich schreibe hier nur über Forschung, bei der über Futtermotivation, Neugierde und Spiel bestimmte Verhaltensweisen unserer Haushunde erfasst werden. Die Hunde werden danach wohlbehalten, geistig ausgelastet und zufrieden ihrem Halter übergeben. Feldforschung, bei der Hunde ohne Einfluss des Forschers beobachtet werden, werde ich nicht beschreiben. Diese verläuft, was die Vor- und Nacharbeiten belangt, ähnlich. Der große Unterschied liegt jedoch in der Konzeption und Durchführung der Studie.

Wissenschaftler sollten neugierig sein, über Vorwissen verfügen und auch gern mit der jeweiligen Tierart zusammenarbeiten. Aber das alleine reicht noch nicht aus. Man braucht neben Fachwissen etwas, dass Methodenkompetenz genannt wird: Wissen um statistische Grundlagen und Zusammenhänge.

Wer Biologie oder Psychologie studiert hat, hat zu großen Teilen Statistik und Forschungsmethodik studiert. Denn: Nur weil ich bei meinem Hund etwas sehe und für mich Gründe für dieses Verhalten finde, ist es noch nicht bewiesen, dass es für alle Hunde gilt. Bei eigenen Beobachtungen gibt es zwei Komponenten, die kein Wissenschaftler bei der Erklärung von Verhalten leiden kann: Zufall und alternative Erklärungen. Die Statistik hilft, zu entscheiden, ob etwas zufällig beobachtet wurde.

Wissenschaftliches Arbeiten mit Hunden kann man sich im zeitlichen Verlauf wie eine Eieruhr vorstellen. Von der einen, vollen Seite (Theorie) rieselt Sand durch einen schmalen Kanal (Praxis) auf eine andere, leere Seite (Theorie). Die Wespentaille in der Mitte, das ist der Bereich, in dem der Forscher auch wirklich Kontakt zu Hunden hat. Alle anderen Prozesse finden hauptsächlich am Schreibtisch statt oder auf Konferenzen und Besprechungen. Manchmal auch im Baumarkt, um Testmaterialien auszuwählen. Aber dazu später.

Bevor alles losgeht, muss man sich mit der Thematik und den Tieren gedanklich intensiv beschäftigen, vor allem sehr viel bereits vorhandene Literatur lesen. Die Idee kann sich aus dem Literaturstudium ableiten (wenn x das kann und y auch, kann es auch z?) oder durchaus auch durch Beobachtungen entstehen. Ich nehme jetzt hier beispielhaft mal die Frage “Können Hunde Farben unterscheiden?“.

Mancher Hund bevorzugt einen roten Ball oder ein blaues Stofftier. Bereits jetzt könnte man argumentieren, dass es auch am Material liegen könnte oder das Spielzeug besonders gut riecht. Das ist auch alles richtig. Man müsste es kontrolliert untersuchen. Eben daran sieht man auch, dass man mit Einzelbeobachtungen vorsichtig sein muss.

Hunde sind individuell sehr unterschiedlich. Die Tests müssen so angelegt sein, dass Genetik, Vorwissen und Persönlichkeit des Hundes so wenig wie möglich alternative Erklärungen zulassen. Die einzigen Auswahlkriterien für die Hunde sind: sie sind bereit, nach Futter zu suchen, sind nicht aggressiv oder zu ängstlich um am Versuch teilzunehmen.

Aber bleiben wir mal bei der Idee: Hunde können Farben unterscheiden. Das ist unsere Hypothese. Nun muss die bestehende Literatur durchforstet werden, ob diese Beobachtung schon so oder ähnlich untersucht wurde. Irgendwann zu Beginn der Einarbeitung kämpft man sich durch das ganze Paper (so werden die wissenschaftlich veröffentlichten Studien genannt). Je mehr man sich mit einer Materie auskennt, desto mehr verschiebt sich die Fragestellung im Kopf zu: wie haben die das untersucht und was ist herausgekommen?

Nicht wenige Studien bewegen sich dabei in einem Bereich, bei dem eine zweistellige Anzahl von Hunden untersucht wurde. Das klingt wenig, aber wenn das gesuchte Merkmal (Farbunterscheidung) vorhanden ist, zeigt es sich bei allen Hunden. Dafür sollte man dann nicht tausende untersuchen müssen, um die Fähigkeit zu finden.

Die Idee mit den Farben muss irgendwie so umgesetzt werden, dass man Verhalten in Zahlen messen kann. Dieser Vorgang nennt sich operationalisieren.

Für unsere Farbstudie würden wir einen Versuchsaufbau wählen, der sich „object choice“ (Objektwahl) nennt. Futter wird unter einem von zwei Bechern versteckt, die sich nur durch ein einziges Merkmal unterscheiden: die Farbe. In einer Abfolge vieler Versuche pro Hund wird gezählt, wie oft der Hund die richtige Farbe wählt. Dabei testet man mehrere unterschiedliche Hunde nacheinander.

Der Forscher weiß inzwischen, dass Hunde rot eher nicht wahrnehmen, dafür aber gelb und blau. Daher fällt die Wahl auf einen gelben und einen blauen Becher. Größe, Form, Material und Beschaffenheit des Bechers müssen absolut identisch sein (das ist dann der Part auf dem Baumarkt). Der Farbunterschied dürfte nicht so groß sein, dass hell oder dunkel ein Anhaltspunkt wäre.

Was Hunde wirklich gut können, ist schnelles Lernen. Man kann also nicht so vorgehen, dem Hund immer auf der rechten Seite unter dem gelben Becher das Futter zu verstecken. Er lernt: immer rechts. Oder doch immer gelb? Oder riecht der gelbe Becher inzwischen nach Wurst, weil er so oft angefasst wurde? Das ist ein weiterer Unterschied zwischen Alltagsbeobachtungen und Forschung. In der Forschung werden die Bedingungen systematisch kontrolliert.

Hier bedarf es geschickt ausgeklügelten Abfolgen. Dies soll gewährleisten, dass die Hunde keinem anderem Muster folgen außer der Farberkennung. Das beinhaltet auch, dass der Versuchsleiter keine Hinweise auf das Versteck gibt. Ein Blick oder die Körperhaltung können für Hunde Anhaltspunkte sein, einen Becher zu wählen.

Die Hunde müssten zufällig auf zwei Gruppen verteilt werden: die Blauen und die Gelben. Entsprechend des Gruppennamens finden die Hunde das Futter auch zuverlässig: In einer Vorstudie lernen die Blauen, dass unter dem blauen Behältnis Futter liegt in dem gelben aber nie. Die andere Gruppe lernt es genau anders herum. Haben sie verstanden, dass sie sich zu dem Becher bewegen müssen (hinlaufen, anstupsen, mit der Pfote berühren oder ähnliche klare Entscheidungen), dürfen sie am Test teilnehmen. Die Auswahl der Hunde zu Team gelb oder Team blau muss zufällig erfolgen und darf keinem Schema folgen. Man spricht hier von einer randomisierten Auswahl.

Nach dem Bestehen des Vortests würde man zum Test übergehen. Jetzt allerdings stehen zwei Becher zur Auswahl, eben ein blauer und ein gelber. Können Sie die Farben nicht unterscheiden, wählen sie zufällig: sie gehen immer auf nur eine Seite oder immer dort hin, wo zuletzt das Futter war oder nutzen keine Strategie.

Hier wird deutlich, dass die Auswahl des Versteckes keinem nachvollziehbaren Schema folgen darf und gleich häufig auf einer von beiden Seiten sein muss. Je nach Studiendesign werden die Hunde mehrmals bestellt. Entweder bleiben sie immer im entsprechenden Farbteam oder wechseln auch mal die Seiten. Diese Verteilung würde dazu dienen, Zufallsvariablen so klein wie möglich zu halten.

Auch wenn es haarspalterisch wirkt, so ist eines ganz wichtig bei solchen Tests: Sie müssen exakt ablaufen. Die Futterstücken müssen immer gleich groß sein. Liegt einmal ein halbes Steak unter dem Becher und einmal eine Murmel Trockenfutter, ist nichts mehr vergleichbar. Ebenso wenn im Test ein Hund den gelben Becher zerbeißt: ich kann dann nicht meine gelbe Kaffeetasse verwenden. Wie ein Roboter muss der Veruchsleiter immer gleiche Abläufe vollziehen, gleiche Abstände einhalten und auch immer beide Becher berühren, damit nicht einer stärker riecht. Ich sagte ja, es scheint etwas abstrakt zu sein. Der Feind heißt: alternative Erklärung.

Der Versuchsleiter filmt das alles und zählt dann, wie oft die Hunde richtig gewählt haben.

Zur Auswertung vielleicht so viel: Wenn der Hund von 10 Durchgängen 5 mal fündig wurde und 5 mal nicht, können wir von Zufall ausgehen. Anders sieht das aus, wenn 10 Hunde in 10 Durchgängen 90 Mal den farblich richtigen Becher ausgewählt haben. Warum 5 von 10? Nun, das ist der Zufallslevel bei einer Auswahl von 2 Optionen.

Der Forscher sitzt jetzt wieder am Schreibtisch und wertet die Videobänder aus. Auch hier sollte noch einmal kritisch geschaut werden, ob es keine Alternativerklärung für das Verhalten geben kann.

Der Verhaltensforscher rechnet mit statistischen Programmen, ob das Ergebnis signifikant ist. Signifikant heißt: nicht durch Zufall erklärbar. Der Zufall wurde also statistisch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit herausgerechnet.

Der Wissenschaftler hätte bei signifikant richtiger Farbwahl also Grund zur Annahme, dass Hunde mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der Lage sind, blau von gelb zu unterscheiden. Das kann vermuten lassen, dass Hunde über eine gewisse Fähigkeit verfügen, Farben voneinander zu unterscheiden. Ein signifikantes Ergebnis bedeutet also nicht, für alle Zeiten bewiesen zu haben, dass Hunde Farben unterscheiden können.

Über die gesamte Vorgehensweise und die Ergebnisse schreibt der Forscher dann einen Bericht, der international gültigen Standards gerecht werden muss. Dieser wird bei wissenschaftlichen Journals einreicht, um die Kenntnisse anderen zugänglich zu machen.

Mit einem solchen Ergebnis ist zunächst erst ein mal ein Anhaltspunkt gegeben, der weitere Studien nach sich ziehen sollte. Einzelne Studien sind in der Regel in größere Forschungsprogramme eingebettet. Das ist bei meiner – ausgedachten – blau/gelb Studie nicht der Fall. Mir ging es nur darum, den Prozess der Forschung darzustellen. Sie können natürlich trotzdem gern probieren, ob Ihr Hund gelb von blau unterscheiden kann. Auch wenn das einzelne Ergebnis nicht auf alle Hunde übertragbar ist: Spaß macht das Ausprobieren trotzdem.

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Das Denken lenken

 

Wenn man mit jemandem ein Beratungsgespräch führt, kann durch die Art und Weise der Fragestellung schon sehr gesteuert werden. Durch Suggestivfragen geben wir unbewusst Inhalte vor, die durch schlichtes Ja oder Nein zu beantworten sind („Ihr Hund hat sicherlich schon einmal grundlos gebellt“ oder etwas unauffälliger „Hat ihr Hund schon einmal grundlos gebellt?“). Hiermit rücken wir die Überlegungen des Hundehalters in eine Richtung, die er vielleicht selbst nicht eingeschlagen hätte, nur weil man ein Problem zu erahnen glaubt.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass es dann auch genau das Problem wird. Zum „Confirmation bias“ gibt es einen sehr interessanten Artikel auf dem Blog Fluffology von Anna Pietschmann http://fluffology.de/ zu lesen. Suggestivfragen sollten vermieden werden, weil man damit eher seine innere Haltung bestätigt bekommt als wirklich herausfindet, was bei dem Ratsuchenden das eigentliche Problem ist. Das klingt auch leichter als gesagt, denn gerade bei Menschen, die wenig von sich aus erzählen, ist die Gefahr von Suggestivfragen groß. Oder dann, wenn bei dem Berater groß und leuchtend eine Lösung blinkt.

Mit etwas Übung kann man durch „W-Fragen“ (Wer, Wann, Wo, Wie, Was, Womit….) das Gespräch schon in die Richtung lenken, in die man es haben möchte. Die Kunst dabei ist, an die jeweilige Antwort wieder eine passende Frage anzuknüpfen. Das verlangt sehr viel Konzentration im Gespräch, in dem auch noch der Hund dabei ist. Neben dem Zuhören bei der Antwort formulieren wir nämlich schon die nächste Frage.

Ich möchte hier allerdings kurz auf eine Idee eingehen, die sich nur manchmal umsetzen lässt. Dafür sollte dann auch der entsprechende Hundehalter ausgesucht werden. Diese Frage kann man nicht jedem stellen, besonders dann nicht, wenn man einschätzt, seinen Kunden damit zu überfordern. Hat man aber Kunden, die Spaß am Nachdenken haben, die gedanklich flexibel sind und sich gut auf das Gespräch einlassen, kann die folgende Frage spannend sein:

Angenommen, sie würden ihr Problem verschlimmern wollen, was genau müssten sie tun?“

Diese Frage stößt gelegentlich bei Beratern auf Ablehnung. Da steht einer, der weiß eh schon nicht, wie es weitergehen soll und dann fragt man so einen Blödsinn. Als hätte der nicht genug Stress mit seinem Hund. Und hier kommt es, das bockige „Ja, aber….“

Denn die Frage hat folgenden Sinn: Der Ratsuchende soll damit überlegen, wie genau er selbst handeln müsste. Er bekommt ein Gefühl dafür, das Problem steuern zu können. Der Eigenanteil wird sichtbar, der Ratsuchende selbst ist der Handelnde, der ein unerwünschtes Verhalten zulässt, steuert, aufrechterhält. Indem er es verschlimmert (also nachdenkt, was er häufiger anwenden müsste) erkennt er seine Aktionen in einem hypothetischen Rahmen.

Die Fragestellung bezieht sich also nicht auf die Gegenwart („Was glauben sie, machen sie falsch?“) sondern auf eine Zukunft, die ja noch nicht da ist und lenkbar ist. Außerdem würde der Hundehalter ja nicht wollen, dass das Problem schlimmer wird, also hat das jetzt einen Spielcharakter. Losgelöst vom passiven Problemraum („aaargh, alles furchtbar“) bewegt der Hundehalter seine Gedanken in einen Lösungsraum, den er nicht zulassen muss.

Ein ähnliches Agieren ist in der Psychotherapie als paradoxe Intervention bekannt, die nur erfahrenden Therapeuten vorbehalten bleiben sollte. Wie schon in vorherigen Blogs geschrieben, ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und einzuschätzen, ob man die Reaktionen des Gegenüber auch abfangen kann und möchte.

„Denken lenken“ klingt nicht schön, das klingt nach Zwang. Zwang ist im Beratungskontext allerdings nicht zielführend. Zudem werden die Fragen ja in eine Richtung führen, die dem Ratsuchenden weiterhelfen.

Wer begrenzt Zeit zur Verfügung hat, um eine Problemstellung einzugrenzen, der sollte über Techniken verfügen, schnell und zielgenau zu agieren. Andernfalls könnten die Kunden das Gespräch als nette Unterhaltung empfinden. Dafür gibt es sicherlich auch Gelegenheiten (immer dann, wenn kein Auftrag erteilt wurde, also wenn man mal nett am Rand steht und die Stunde vorbei ist).

Auch wenn sich nicht jede Technik bei jedem Kunden anwenden lässt, so ist es doch gut, eine Auswahl davon zur Verfügung zu haben, um sie im entsprechenden Moment anwenden zu können. So, und nun viel Spaß beim Ausprobieren. 🙂

 

Supervision – der Blick über den Tellerrand

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Im Dezember 2016 durfte ich auf einem Seminar selbst in den Genuss von Supervision kommen und möchte meine Erfahrungen auf den Hundebereich übertragen.

Supervision ist das Besprechen eines Falles aus unterschiedlichen Gesichtspunkten unter Anleitung. Ein erfahrener Kollege kann das anleiten oder eben jemand, der als Supervisor tätig ist.

Besonders dann, wenn

  • ein Fall besonders verzettelt scheint
  • man sich selbst im grauen Alltagstrott befindlich glaubt
  • man das Gefühl hat, zunehmend redundant nach Schema F zu arbeiten
  • die eigene Motivation bröckelt oder
  • neue Sichtweisen und Ideen gefragt sind

empfiehlt es sich, Fälle supervidieren zu lassen.

Es kann also auch der ganz normale Alltagsfall mit den entsprechenden Hürden („ich weiß nicht, wie ich Frau Meier dazu bekomme, endlich mehr Gespür für ein besseres Timing zu entwickeln…“) besprochen werden. Bei der Supervision geht es eher darum, wie man selbst mit diesen Anforderungen umgeht.

Was passiert da? Jemand, der einen Fall supervidieren lassen möchte, stellt die Situation mit eigenen Worten vor. Dabei schildert er auch, was genau das jeweilige Problem ist („es nervt mich“ oder „ich weiß nicht, wie ich es noch trainieren kann“). Hier wird sichtbar, dass bei Supervisionen auch ein hoher Anteil an Eigenreflexion gefragt ist. Supervision kann im Einzelsetting mit dem Supervisor oder auch im Gruppensetting erfolgen.

In Einzelsupervisionen kann der Supervisand sicherlich mehr auf sich selbst eingehen (Thema Vertraulichkeit), im Gruppensetting profitiert man von vielen unterschiedlichen Ansichten.

Einem systemischen Ansatz folgend hilft es auch, das Beziehungsgeflecht um Hundehalterin Frau Müller aufzuzeichnen. In den seltensten Fällen agiert ein Hundehalter alleine mit dem Hund, in der Lebenswirklichkeit spielen Partner, Kinder, Eltern, Nachbarn und Freunde wie auch andere Hundehalter eine nicht geringe Rolle.

Um nun ein Gefühl für das Agieren des Umfeldes zu bekommen, kann der Supervisor beispielhaft für Gatte, Nachbar oder Tochter der Halterin agieren. Dafür muss der Supervisor diese nicht kennen, es reicht, wenn möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen generiert werden.  Die systemische Sichtweise geht davon aus, dass Wirklichkeiten Konstrukte im Kopf sind und somit durch Denken verändert werden können. Das Wissen um das Umfeld kann dabei natürlich einfließen.

Das hilft dabei, den Fall etwas zu „entzerren“. Zudem nützt es dabei, die Beziehungsqualität zum Klienten etwas zu „entkrampfen“. Es können neue Sichtweisen und Arbeitshypothesen ausprobiert und durchdacht werden. Außerdem ist mir aufgefallen, dass dadurch wieder etwas für die Belange der Klienten sensibilisiert wird.

Neben diesen Hilfestellungen für aktuelle Fälle dient die Supervision auch der eigenen so genannten Psychohygiene. Als Trainer oder Berater hat man idealer Weise einen unvoreingenommenen Blick. Im Alltagsgeschäft passiert es dennoch, dass man Kategorisierungen vornimmt („Wieder so ein Fall von …“). In der Supervision kann man für sich erfahren, dass Umbewertungen vorgenommen werden können.

Insgesamt war es eine sehr spannende Erfahrung, ich kann jedem raten, das für sich in Anspruch zu nehmen. Adressen von Supervisoren gibt es im Internet, ich rate dazu, auf entsprechende fachliche Erfahrung und Qualifikation zu achten.