Problemanalyse: Struktur in unübersichtliche Situationen bringen

Dackel Waldi hat heute seinen großen Tag. Er wird  aus dem Tierheim abgeholt. Zwei junge Zweibeiner packen ihn in eine Box und es geht auf ins neue Leben. Davon weiß Waldi noch nicht viel. Welche Faktoren ab sofort auf ihn einströmen, soll diese (unvollständige) Grafik verdeutlichen:

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Auf all diese Faktoren hat der Dackel kaum einen Einfluss. Er soll sich anpassen, was ihm auch in den meisten Fällen gelingt. Dabei wird deutlich, wie hoch die Anpassungsleistung unserer Hunde ist. Schon wenn nur einer dieser Faktoren nicht wirklich gut klappt, neigen Halter dazu, von einem Problem zu sprechen. Beispielsweise wenn der Hund sich vor Kindern zurückzieht oder nicht gern im Auto mitfährt.

Waldis Halter sind Studenten, haben viel Zeit für ihn und es geht ihm richtig gut. Obwohl die beiden wenig Geld haben, kaufen sie ihm hochwertiges Futter, viel Zubehör und nennen ihn scherzhaft „unser Hundekind“. Waldi fährt mit in den Urlaub, muss kaum alleine bleiben und für die stressfreie Fortbewegung wird ein uraltes, kleines Auto angeschafft.

Szenenwechsel. Sieben Jahre später. Waldis Umfeld hat sich verändert. Die beiden Studenten haben ihr Studium beendet, geheiratet und ein Eigenheim gebaut. Frau Müller ist nun schwanger und erwartet ihr erstes Kind. Herr Müller arbeitet täglich viele Stunden in einem Architekturbüro und ist nur noch selten zu Hause. Waldi ist nun neun Jahre alt.

Der Dackel wird in der Hundeschule vorgestellt, da er merkwürdiges Verhalten an den Tag legt. Hin und wieder verteidigt er seine Ressourcen, er bellt häufiger und wird zunehmend anstrengender.

Der Hundetrainer kann im ersten Gespräch sehen, dass zum Termin zwei gut gekleidete Personen erscheinen. Herr Müller bleibt wortkarg, er könne zu Waldis Verhalten nicht viel berichten, denn er arbeite recht viel. Daher beantwortet die werdende Mutter aufgeregt die Fragen zum Hund.

Es ist jetzt die Aufgabe des Hundetrainers, all die Faktoren aus der Grafik kennen zu lernen. Dafür hat der Hundetrainer einen Anamnesebogen, in den er Angaben zu den Besitzern, zu Waldi und den unerwünschten Situationen einträgt. Im Kopf strukturiert er diese Angaben und versucht, Anhaltspunkte zu formulieren.

Der erwartungsvolle Blick der Frau M – sie zahlt immerhin 60 Euro für diese Beratung – sagt: Was ist es und wie geht das schnell wieder weg?

Um Trainingsansätze zu generieren, muss der Hundetrainer jedoch erst einmal die Probleme formulieren. Für einen schnellen Überblick kann er eine Technik verwenden, die sich Mindmapping nennt.

Dazu wird ein leeres Blatt Papier quer hingelegt. In die Mitte des Blattes wird das Problem geschrieben. „Waldi verteidigt Ressourcen und fordert Aufmerksamkeit“. Von diesem Text in der Mitte, der eingekreist wird, gehen nun Strahlen ab, so wie Kinder eine Sonne malen.

An die einzelnen Strahlen werden Aspekte beschrieben, die sich aus dem Gespräch ergeben. Diese können sein: „Zeit für den Hund“, „Gesundheitszustand“, „Veränderungen“, „Alterserscheinungen“, „Beschäftigung“, „Tagesablauf“, „Schwangerschaft“, „Fütterung“ und die „bisherige Aufgabe des Hundes in der Familie“.

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Gemeinsam mit den Hundehaltern werden zu den einzelnen Aspekten die Ist-Zustände eingetragen. Diese werden direkt neben die Begriffe an den Sonnenstrahlen geschrieben.

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Mit einer anderen Farbe können nun zusammenhängende Aspekte verbunden werden.

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Aus den farblich hervorgehobenen Bereichen wird folgendes (auch für die Besitzer) erkennbar.

  1. Familie Müller hat insgesamt weniger Zeit für den Hund, was von ihnen dadurch relativiert wird, dass er älter geworden ist.
  2. Durch die Schwangerschaft verändert sich der Kinderstatus des Hundes und damit die aufgewandte Zeit für den Hund.
  3. Die Finanzen der Familie bedeuten auch für Waldi Einschränkungen. So waren die Halter nicht beim Tierarzt, da das Hinken des Hundes „nach kurzem Einlaufen verschwindet“.

Nach einem Tierarztbesuch vermeldet Frau Müller, dass dieser eine beginnende Arthrose festgestellt hat, die „ihnen gar nicht so aufgefallen ist in der Aufregung um das Kind“. Seitdem er Medikamente bekommt, sucht er nicht mehr so viel Aufmerksamkeit. Der Hundetrainer kann jetzt seine Beratung fortführen.

Das mindmapping eignet sich dazu, Zusammenhänge zu erkennen. Die Veränderungen durch die Schwangerschaft waren sehr offensichtlich und wären möglicherweise als erstes in den Fokus gerückt. Vielleicht wäre die Arthrose weiterhin übersehen worden.

Diese Geschichte über den Dackel ist frei erfunden. Sie soll nur verdeutlichen, dass – einem systemischen Ansatz folgend – sehr viele Faktoren Auswirkungen auf Verhalten haben. Mit dem mindmapping können diese bildlich festgehalten und strukturiert werden.

 

 

 

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